Auf einem Vorgebirge schaut der Heilige Berg von Orta auf den See und die Insel San Giulio und ist ein Ort, welcher durch seine Schönheit zur Andacht einlädt. Hier wird Kunst zu einem Werkzeug zur Meditation: Ohne sich aufzudrängen, begleitet sie. Das Thema ist das Leben des Heiligen Franz von Assisi, eine Figur, welche Spiritualität und Menschlichkeit zu einer universellen Botschaft vereint. Und genau dieser demütige und tiefe Ton ist auf dem gesamten Weg spürbar.
Die einundzwanzig Kapellen befinden sich zwischen von Bäumen gesäumten Alleen und Panoramaterrassen und beherbergen einen außergewöhnlichen Zyklus von Figuren: lebensgroße Statuen aus buntem Terrakotta, eindrucksvolle Fresken und scenografische Architekturen. Im späten 16. Jahrhundert beginnend haben die Künstler, die nach Orta gerufen wurden, den Berg in ein echtes und wirkliches “heiliges Theater im Freien” verwandelt, wo jede Episode des Lebens des Heiligen eine spirituelle und visuelle Erfahrung wird.
Die Landschaft spielt eine bedeutende Rolle. Der Anstieg ist sanft und wird durch kleine Plätze und Aussichten auf den Ortasee unterbrochen, fast wie, um den Besucher zur Rast, zum Durchatmen und Staunen einzuladen. Es gibt keine Eile auf diesem Weg, nur langsame Szenen, die von Armut, Brüderlichkeit und einer inneren Entscheidung erzählen. Dies ist eine Spiritualität ohne Rhetorik, geformt aus Gesten, Blicken und Stille.
Am Ende des Weges erreicht man die Kirche, die dem Heiligen Nikolaus gewidmet ist, dem Höhepunkt der Erzählung und gleichzeitig auch ein stiller, fast familiärer Ort. Das Ganze hinterlässt einen bleibenden Eindruck: den eines Berges, der Glauben nicht aufzwingt, aber einen Raum bietet, ihn wiederzufinden. In Orta schreit das Heilige nicht: Es flüstert.
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